In den letzten rund 45 Jahren, hat Hameed Ali, Schriftstellername “A. H. Almaas”, die Lehre des Diamond Approach (Diamantener Weg) entwickelt. Der Diamond Approach ist eine lebendige spirituelle Lehre, die uns die wahre Natur unseres Seins erfahrbar macht. Das geschieht durch die explizite und ganz gezielte Arbeit mit den psychischen Strukturen, die den meisten von uns das Wahrnehmen unserer wirklichen, essenziellen Natur erschweren.

Gelernt wird das “Mensch-Sein” – die Öffnung von Herz und Geist für eine tiefere Wahrheit. Die Aspekte der Lebensbewältung, Sinnfindung und Selbsterkenntnis verbinden sich für viele der Studierenden zu einer harmonischen Praxis innerer Arbeit. Das Lernen berührt und durchtränkt schnell alle Lebensbereiche, die Erfahrung von Heilung und Wachstum lässt auf die Dauer keinen Teil der Seele aus.

Die Lehre ist teilweise in den zahlreichen Büchern von A. H. Almaas niedergelegt. Sie wird aber stetig im Feld der Studierenden durch Hameed Ali und Karen Johnson, den Gründern des Diamond Approach, und die Lehrer weiterentwickelt.

Für mich persönlich …

… bedeutet die Lehre des Diamond Approach eine Befreiung von Ängsten, Irrglauben und Konditionierungen, in und mit denen ich aufgewachsen bin.

Ich bin eine typische Vertreterin der Generation, die Sabine Bode als “Kriegsenkel” beschreibt. Meine Eltern sind 1922 (Vater) und 1937 (Mutter) geboren worden und haben nie auf irgendeine angemessene, heilsame Art ihre diversen Traumata aufgearbeitet. Der Schmerz, die Angst und seelischen Wunden sind einem inneren und äußeren Schweigen anheimgestellt worden und haben sich in den un- und halbbewussten Räumen der Seele über die Jahrzehnte konserviert. Natürlich haben diese Traumata das Familienleben bestimmt, in dem sie als Basis einer negativen Weltsicht, einer negativen und zynischen Menschensicht, einer Unfähigkeit zu echter Herzlichkeit, einer emotionalen Leere weiterwirkten und mich und meine Geschwister tief geprägt haben.

Für mich war der Diamond Approach in den ersten Jahren ein seelischer Rettungsring. Gerade die Wissenschaftlichkeit des Ansatzes, die bis ins Kleinste nachvollziehbare Genauigkeit der tiefenpsychologischen und seelischen Gegebenheiten hat mein Vertrauen gewonnen. Die Wahrheit war für mich sofort erfahrbar. Hier erhielt ich die langersehnten Erklärungen für den Hass und die Grausamkeit in der Welt, die mich langsam heilen ließen.

Heute, nach 23 Jahren meiner Entwicklung als Studierende des DA, sind die “Methoden” längst in “Fleisch und Blut” übergegangen. Das Lernen hat nicht nur eine Befreiung von der Vergangenheit, sondern auch eine Entwicklung der “Essentialisierung” bewirkt. Ich bin heute in der Lage, glücklich ich “selbst” zu sein, eine wandelnde Leere voller Freude und kreativen Impulsen. Und natürlich gibt es noch viel zu lernen und aufzuräumen.

Gestern habe ich beim Kaffeekochen darüber nachgedacht, wie ich wohl jemandem, der oder das innere Eingeholtwerden von der Vergangenheit nicht kennt, beschreiben würde: “Hast Du schon einmal einen sehr berührenden Film gesehen?” würde ich fragen. “Einen Film mit dessen Heldin Du Dich mitfreust, mitweinst, mitfieberst – wenn die Spannung steigt? – Nun stell Dir vor, dass Du nur den Teil des Fühlens erlebst – und auch nur den negativen. Du fühlst Angst in Dir aufkommen, Einsamkeit, Du fühlst Dich verloren im Weltall – und all das auf eine diffuse Weise. Es ist wie ein “Bauchgefühl”, und es fühlt sich wahr an. Der Verstand findet sofort ein Ziel dafür: die Welt, die Politiker, Dein Job, Dein Geld, Deine Gesundheit … Du fürchtest um Deine Existenz. Und Du siehst nicht, dass Du einen Gefühlszustand aus Deiner Kindheit wiederholst, sondern es fühlt sich jetzt und hier wahr und akut an. So ist das.”

Früher war ich mit diesen inneren Zuständen identifiziert. Ich habe sie ganz geglaubt. Heute sind sie wie ein Schatten, den eine Wolke vor der Sonne in meiner inneren Landschaft erzeugt. Was ich bin ist viel größer als dieser Schatten. Dennoch kann ich die Kühle und die Verdunkelung, die ein Schatten mit sich bringt, deutlich spüren. Manchmal ist es eine große Wolke und der Schatten erzeugt an seinen Rändern Wind – ganz wie bei echtem Wetter. Der Wind kann ein Sturm werden und aufwühlend wirken. Er geht dennoch vorbei. Dieses Wissen ist immer da.

Liebe Grüße

Kathryn

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