Das Selbst-Retreat

Alleinsein in Gemeinschaft Das sogenannte Selbst-Retreat in Neuenzell ist ein hochgeschätztes Angebot. Wir haben mittlerweile beinahe ständig…

Alleinsein in Gemeinschaft

Das sogenannte Selbst-Retreat in Neuenzell ist ein hochgeschätztes Angebot. Wir haben mittlerweile beinahe ständig Gäste hier, die außerhalb der anderen Angebote einfach eine Weile bei uns leben, um sich selbst eine heilsame, kreative, stärkende Auszeit zu gönnen.

Hier haben wir für Dich aus ganz echten Gesprächen aufgeschrieben, was die Menschen hier bewegt und was sie zu ihren Aufenthalten, den Gründen dafür, ihren Wünschen und der Wirkung ihres Hierseins sagen.

Dieser Artikel ist keine erfundene Werbung, es sind echte Menschen, die sprechen und die hier teilweise anonym sein wollen, weshalb wir die Namen teilweise geändert haben.

Birke S.: Ruhe, Fokus, Gehaltensein, Unterstützung

Was mir hier besonders guttut, ist die Ruhe – sowohl in der Umgebung, denn es ist ein sehr stiller Ort, als auch in meiner eigenen inneren, spirituellen Ausrichtung. Ich schaue gerne nach innen, nehme vieles wahr und verarbeite diese Wahrnehmungen. Früher war ich damit mein ganzes Leben lang oft völlig überfordert. Seit ich diesen Ort vor mehreren Jahren kennengelernt habe, habe ich gemerkt: Es gibt Menschen, die mich verstehen, die mir helfen können. Ich bin damit nicht allein. Hier habe ich nach und nach gelernt, diese Überforderung Stück für Stück loszulassen, weil ich erfahren habe, wie ich damit umgehen kann …

Teilweise habe ich hier auch therapeutische Unterstützung in Anspruch genommen. Doch inzwischen spüre ich, dass schon allein das Umfeld so unterstützend wirkt, dass ich es gar nicht mehr so stark brauche. Hier ist eine konzentrierte, klare Energie spürbar – kein „Herumgammeln“ oder ein zielloses Sich-treiben-Lassen, wie es im Alltag leicht geschieht. Stattdessen erlebe ich hier eine Zielgerichtetheit, die mir sehr guttut.

Besonders wertvoll finde ich auch, dass fast alle Menschen, die hierher kommen oder hier sind – auch Frouke – ein gemeinsames Ziel haben: achtsam zu leben. Das fühlt sich manchmal wie ein gemeinsames Zusammenarbeiten an. Diese Haltung wird vorgelebt, etwa durch die regelmäßigen Meditationen, in denen wir bewusst nach innen gehen und Achtsamkeit üben – und zugleich versuchen, dies auch in den Alltag hineinzutragen.

Es ist außerdem ein Gefühl des Gehaltenseins spürbar – vielleicht durch das, was Frouke einmal als den „Geist der letzten 40 Jahre“ beschrieben hat, in denen dieser Ort gepflegt und getragen wurde. Diese hohe, klare Energie nehme ich sehr deutlich wahr.

Früher war ich in vielen Situationen – sei es im sozialen Umfeld oder in der Arbeit – stark überfordert und habe mich selbst massiv unter Druck gesetzt. In den Sitzungen habe ich gelernt, einfach anzunehmen, was gerade da ist, es bewusst anzuschauen und auch durch Gegenfragen einen Weg zu finden, wie ich mich hindurchmanövrieren kann. Begleitet werde ich dabei auch durch meine persönliche Orientierung an Eckhart Tolle, dessen Ansatz hier ebenfalls auf Resonanz stößt: das ständige Hinterfragen des menschlichen Egos und das tiefe Eintauchen in die Gegenwart.

Maria S.: Stärkung, Ruhe, Kontakt, Heilung


Meine Situation war etwas anders, da ich während meines Aufenthalts krank war und erst später anreisen konnte. Ich habe bewusst etwas in der Nähe meines Wohnortes gesucht, weil ich Ruhe, Erholung und viel Zeit in der Natur wollte. Auf der Webseite bin ich dann auf das Wort „Selbstretreat“ gestoßen – und genau das war es, wonach ich gesucht hatte. So bin ich das erste Mal ins Seminarhaus gekommen …

In den ersten Tagen habe ich mich stark zurückgezogen, weil ich mich körperlich nicht fit fühlte und auch niemanden anstecken wollte. Gleichzeitig war es für mich sehr wertvoll, dass mir dieser Raum gegeben wurde. Niemand hat sich aufgedrängt oder versucht, mich in Gespräche zu ziehen – so konnte ich die Ruhe genießen, die ich gebraucht habe.

In den letzten vier, fünf Tagen hatten wir dann einen wundervollen Koch, der fantastisch für uns gekocht hat. Das gemeinsame Essen war für mich ein besonderer Moment, denn dadurch ergaben sich ganz natürlich Gespräche mit den anderen Gästen. Die Atmosphäre am Tisch war offen, herzlich und sehr angenehm: Jeder brachte sich ein, ohne dass sich jemand in den Vordergrund stellte. Das habe ich als sehr wohltuend erlebt.

So habe ich beide Seiten kennengelernt: Rückzug und Stille ganz für mich, aber auch leichten, natürlichen Kontakt, genau in dem Maß, wie ich es brauchte. Besonders schön war auch ein langes Gespräch mit Frouke, in dem ich nach Tagen des Schweigens gemerkt habe, wie viel sich in mir gelöst hatte und wie gut es tat, einfach reden zu dürfen und dabei wirklich gehört zu werden.

Ein wichtiger Teil war für mich auch die Natur. Ich war viel draußen, bin gewandert und habe die besondere Landschaft rund um Ibach sehr genossen: das weite Tal, die sanften Hügel, die Wälder – eine Mischung aus Ruhe, Offenheit und Lieblichkeit. Diese Qualität habe ich sehr stark gespürt. Mein Zimmer war klein, aber sehr gemütlich, mit Blick ins Grüne, was mich zusätzlich getragen hat.

Insgesamt habe ich die Zeit als sehr wohltuend erlebt: die Stille, die Natur, die Freundlichkeit der Menschen, das wunderbare gemeinsame Essen und die Möglichkeit, sowohl ganz bei mir zu sein als auch in Kontakt zu treten, wenn mir danach war. Es war genau die Balance, die ich gesucht habe.

Jörg G.: Präsenz, Kontakt, Kreativität

Was ich im Neuenzell besonders wertschätze, ist die Atmosphäre im Haus. Sie ist geprägt von Freundlichkeit und Schönheit und hat eine innere Wirkung, die mich unterstützt, in meiner Mitte zu bleiben. Es fühlt sich so an, als ob in dieser Atmosphäre selbst eine Art innere Führung oder ein Lehrer wirksam ist, der mich nach innen führt.

Natürlich spielt auch die äußere Umgebung eine Rolle – die Ruhe, die reizarmen Eindrücke, die schönen Zimmer für den Rückzug und die Lage in der Natur. Doch für mich geht es darüber hinaus …

Ich glaube, dass die vielen Jahrzehnte innerer Arbeit, die an diesem Ort geschehen sind, eine spürbare Präsenz hinterlassen haben. Diese Präsenz manifestiert sich in den Räumen und der gesamten Atmosphäre, sodass man als Gast unmittelbar daran teilhaben kann. Das empfinde ich als eine starke unterstützende Kraft für das Retreat und für meinen Weg nach innen. Es geschieht ganz von selbst – ich muss mich nicht bewusst hinsetzen, um es wahrzunehmen, sondern es wirkt automatisch.

Neben dieser inneren Tiefe schätze ich auch die äußeren Qualitäten: die Natur, die Möglichkeit, mit anderen Gästen und Bewohnern in Kontakt zu treten – und mich zugleich jederzeit zurückziehen zu können. Alles ist sehr zwanglos. Man darf einfach so sein, wie man ist, ohne Erwartungen oder Verpflichtungen. Genau das ist Teil dieser besonderen Freundlichkeit: Ich fühle mich eingeladen, dem nachzugehen, was sich für mich gerade stimmig anfühlt.

Zwischenfrage von Frouke:
„Mir kam noch ein Aspekt, Jörg. Ich weiß von dir auch, in dieser Atmosphäre und in diesem Raum hast du dich diesmal sehr komponierend erlebt. Für mich ist die Musik ein sehr wichtiges Ausdrucksmittel. Andere Gäste bringen vielleicht ein Malprojekt mit oder schreiben Texte. Es ist tatsächlich ein Sein und Seinlassen, und wenn Kontakt entsteht, hat er eine besondere Qualität. Gleichzeitig erlebe ich auch eine schöpferische Energie im Neuenzell – etwas, das sich aus der langen Entwicklung dieses Ortes speist.“

Darauf kann ich nur zustimmen. Genau diese schöpferische Energie habe ich auch gespürt. Sie schafft einen Raum, in dem sich die inneren Schätze zeigen und ausdrücken wollen – sei es in Texten, in Musik oder in anderen kreativen Formen. Für mich war es eine wunderschöne Erfahrung, meine Lebenssituation und meine Spiritualität in Worte und Klänge einfließen zu lassen. Dieser kreative Prozess wurde ganz stark durch die Atmosphäre dort getragen.

Jedes Mal, wenn ich im Neuenzell bin, geschieht wie von selbst eine Vertiefung. Es braucht dafür kein äußeres Retreat oder spezielle Struktur – diese Vertiefung entsteht einfach aus der Atmosphäre heraus. Das macht den Ort für mich so besonders.

Sebastian N.: Freiheit und Geborgenheit

Wenn ich meine Erfahrung zusammenfassen soll, dann ist das Bild, das mir am stärksten aufgestiegen ist, die Verbindung von Freiheit und Geborgenheit.

Von der ganzen Tagesstruktur geht eine unglaubliche Freiheit aus: einfach sein dürfen, die Seele baumeln lassen, den eigenen Prozessen nachgehen. Es gibt keine Überfrachtung durch äußere Vorgaben, wie man sie aus vielen Kursen oder Retreats kennt. Stattdessen entsteht Raum und Zeit, in denen das Innere wirklich atmen darf …

Gleichzeitig spüre ich eine tiefe Geborgenheit. Der Ort hat eine freundliche, lichte Energie, und die Begegnungen waren durchweg positiv und nährend. Die Menschen, die hier zusammenkommen, erlebe ich als sehr offen, fein und durchlässig. Kontakte entstehen ganz natürlich und leicht, ohne dass man sich gedrängt fühlt.

Auch das zweimal tägliche Sitzen schafft einen wohltuenden Rahmen: eine Struktur, die Orientierung gibt, ohne einzuengen. So entsteht eine Freiheit, die nicht verloren geht, sondern liebevoll getragen ist – mit der Möglichkeit, sich zurückzuziehen oder in Kontakt zu gehen, je nachdem, was gerade stimmt.

Die Natur rund um Ibach verstärkt dieses Empfinden. Das Hochplateau mit seiner Weite, der lichte Schwarzwald, die sanfte Landschaft – all das vermittelt zugleich Offenheit und Geborgenheit. Die Umgebung spiegelt das wider, was sich im Inneren zeigt.

Und schließlich ist da die spürbare Anbindung an eine spirituelle Tradition. In aller Freiheit wirkt hier eine Kraft, die trägt, die Wurzeln hat und in der ich mich gehalten fühle. Genau diese Mischung aus Weite und Geborgenheit ist für mich das Wesentliche, das ich aus meiner Zeit hier mitnehme.

Christine C.: Ein guter Ort zum Fischen

Als ich an diesen Ort gekommen bin, hat mich sofort etwas sehr berührt: eine besondere Ruhe, die sich wie ein Mantel um einen legt. Es ist nicht einfach nur die Abwesenheit von Geräuschen, sondern eine andere Art von echter Stille – fast so, als würde im Kontrast zur Stadt plötzlich ein Dauergeräusch verstummen. Auf einmal entsteht Raum, in dem diese wirkliche Stille erfahrbar ist.

Neuenzell hat für mich etwas Eigenes, ein „Weben“, das wie eine Präsenz wirkt. So wie man in Resonanz mit einem Menschen geht, geschieht hier eine Resonanz mit dem Ort selbst …

Dieses Weben löst ein tiefes Gefühl des Sein-Dürfens aus, das Herz öffnet sich, und Begegnungen mit anderen Menschen werden dadurch besonders. Man spürt, dass die Offenheit entweder durch den Ort angezogen oder durch ihn hervorgebracht wird – wahrscheinlich beides zugleich.

Besonders beeindruckt hat mich die Haltung der Offenheit und Gelassenheit. Es gibt zwar den Rahmen von zwei Meditationen am Tag, aber alles ist völlig frei: Man ist eingeladen, teilzunehmen, und wenn es einmal nicht passt, ist das ebenso willkommen. Es gibt keine Strenge, keine Enge, sondern ein weites Willkommen, das einen förmlich umarmt. Begegnungen geschehen leicht und ungezwungen, und ebenso selbstverständlich darf man sich zurückziehen. Alles ist darauf ausgerichtet, mit sich selbst in Begegnung zu kommen – auch durch die Spiegelung im Kontakt mit anderen.

Gerade weil dieser Ort so geborgen und geschützt ist, entsteht Raum auch für das, was nicht immer angenehm ist. Auch schwierige Gefühle dürfen auftauchen, getragen vom sicheren Rahmen. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit – getragen von der Atmosphäre, der Natur und den Wäldern, die Neuenzell umgeben.

Zum Schluss möchte ich ein Bild teilen, das mir besonders passend erscheint.
In der Biografie von Michael Ende wird beschrieben, wie er seinen Vater – ebenfalls Künstler – erlebte. Dieser zog sich in seinen Raum zurück, machte das Licht aus und sagte: „Ich gehe fischen.“ In der Stille tauchten Bilder auf, die er kurz notierte, bevor er sie wieder weglegte. Später übernahm Michael Ende selbst dieses Ritual: In einem Schuhkarton sammelte er Zettel mit Ideen, die aus dieser inneren Leere auftauchten, wenn er „fischen“ ging.

Neuenzell ist für mich genau so ein Ort – ein guter Ort zum Fischen.

Gisela B.: Gelassenheit und Raum, sich einzubringen

Ich sitze jetzt schon eine Weile vor meinem Laptop, um meine Eindrücke während der wenigen Tage in eurem Zentrum zu schildern und merke, dass diese Eindrücke vielfältig und vielschichtig sind. Bemerkt habe ich das in der Gänze, als ich wieder zu Hause war. Ich fühlte mich sehr erholt, kraftvoll, genährt und inspiriert, ermutigt, meinen inneren Forschungsweg weiterzugehen bzw. zu intensivieren.

Mit meiner Freundin, mit der ich da war, hatte ich schon des Öfteren mehrtägige Aufenthalte im Schwarzwald ein Zimmer gemietet oder eine Ferienwohnung. Wir sind dann viel in der Natur gegangen, sind gewandert und haben uns wohlgefühlt. 

Diesmal war noch was anderes da, was in mir dieses tiefe Gefühl von Ruhe und Stille bewirkt hat.  Ein Teil ist bestimmt der Geist, der im Zentrum Neuenzell mir begegnet ist: Ein herzliches, ehrliches Willkommensein. Die Zugewandtheit und Natürlichkeit der Menschen, die im Haus leben und arbeiten.

Ich selbst hatte an den 5 Tagen, die ich da war, keine Behandlungen. Doch zu wissen, dass dies möglich ist und  wenn ich Unterstützung brauche, jemand da ist, fühlte sich gut an.

Im Haus ist eine stille Gelassenheit für mich spürbar gewesen. Wie ich meinen Tag gestalte, konnte ich selbst bestimmen. Gleichzeitig hat der „Rahmen“ der mit der Meditation am Morgen und am Abend an der Meditation teilnehmen zu können, mir ein unterstützendes Gefühl vermittelt.

Schön fand ich auch, dass Detlef noch für die Menschen, die sich für das Essen angemeldet hatten, so schmackhaft gekocht hat. Wohltuend war die Lebendigkeit, die Detlef ausstrahlt und wie er seine Kreationen vorstellt und präsentiert. Auch der Moment der gemeinsamen Stille vor dem Essen hat was Verbindendes. Ich hätte mir da noch etwas mehr Stille gewünscht. Doch ich habe mich dazu nicht geäußert. Hätte aber die Gelegenheit gehabt. Doch nach einiger Zeit war ich mit dem, wie es war, auch einverstanden. Die Möglichkeit sich selbst einzubringen ist da. Es ist eine schöne Offenheit und Raum spürbar.

Mit der Situation der Küchenbenutzung hatte ich anfangs Schwierigkeiten. Mir war es etwas zu eng, für all die Menschen, die die Küche benutzen wollten. Meine Entscheidung war dann, nicht zu kochen und nur zu frühstücken, was in dem schönen Essensraum und auch in dem gemütlichen kleinen Essensraum, wie auch auf dem Zimmer gut möglich war. Meine Vorstellung war eben eine große Küche, und so ist es mit den Vorstellungen. Die Realität entspricht dem nicht immer. Und dann konnte ich doch mit den Tagen mit allem einverstanden sein.

Die schöne Lage des Zentrums, umgeben von der kraftvollen Natur, wirkt heilsam. Den Blick in den Garten und die Möglichkeit, dort zu verweilen, habe ich sehr genossen und unterstützend empfunden.

Insgesamt eine gute und unterstützende Zeit im Zentrum Neuenzell. Vielen Dank für diese Möglichkeit!

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